Donnerstag, 6. Februar 2014

Freundschaft [ShortStories]

Diesen Monat lautet das Thema bei den Short Stories von Bine und Andrea 


Nach den "Guten Vorsätzen" im Januar ist dies ein Thema, welches für mich tief unter die Haut geht, mich seit Kindesbeinen an beschäftigt und mir viele Narben zugefügt hat.

In meiner "Jugend" habe ich ziemlich unter den Gesetzmäßigkeiten der Freundschaften gelitten - da gab es beste Freunde, die an einem Tag jede freie Minute miteinander verbrachten und jeden als Konkurrenten für ihr Freundeglück sahen. Am nächsten Tagen waren sie sich aus Gründen spinnefeind und wanden sich ihren Mitmenschen aus der 2. Reihe zu, verabredeten sich mit anderen, lästerten über die ehemalige beste Freundin, um dann eine Woche später versöhnt und enger verbunden denn je wieder als eine Einheit aufzutreten und die Menschen aus der 2. Reihe links liegen zu lassen. Ich war mehrmals bei denen aus der 2. Reihe zu finden, die dann die Welt nicht mehr verstanden.

Es gab auch Freundschaften, die mir regelrecht Angst machten. In denen ich Angst hatte, mich falsch zu verhalten und damit die Sympathie der anderen zu "verspielen", in denen ich mich duckte, mir die Meinung anderer annahm, nur um irgendwo dazu zu gehören.

Das alles hat mich sehr geprägt und dazu geführt, dass ich selten jemanden wirklich an mich herangelassen habe - die Angst vor einem neuen Vertrauensbruch war einfach zu groß. Ich wurde Meister im Zelebrieren der Oberflächkeit, es gab viele Bekannte, aber kaum jemanden, der wirklich wusste, wie es in mir aussah.

Natürlich lag es nicht nur an den anderen - ich habe auch mit meinem Verhalten liebe Menschen verletzt, Menschen, die es gut mit mir meinten, die gerne mit mir befreundet sein wollten und die ich ohne Erklärung links liegen gelassen habe. Oder welche, die ich eines Tages einfach fallen gelassen habe. Ich habe mir Dinge ausgedacht, um mich interessanter zu machen, was es den anderen natürlich auch nicht leicht gemacht hat, mir zu vertrauen und eine Bindung zu mir aufzubauen.

Es dauerte lange, bis ich in der Lage war, andere an mich heranzulassen und mich so zu geben, wie ich bin. Erst da konnte ich Freundschaft als etwas wunderbares erleben.
Gerade die schwierigsten Zeiten meines Lebens hätte ich ohne meine Freunde nicht überstanden. Und dabei zählt nicht nur, dass ich jederzeit bei ihnen anrufen oder vor der Tür stehen konnte, sondern auch, dass sie mich forderten, indem sie mir sagten, was sie dachten, dass sie Dinge in Frage stellten, die ich mich nicht wagte in Frage zu stellen, dass sie skeptisch waren, wenn ich hocheuphorisch war.

Zitat von *hier*

Heute haben wir* "Freunde" und "Freunde". Die einen nehmen aktiv an unserem Leben teil, stehen uns sehr nahe, wir sind miteinander in "Kontakt", sei es durch persönliche Treffen/ Telefonate/ SMS/ Mails und wissen recht gut, was jeweils beim anderen passiert. 
Mit den anderen "Freunden" haben wir nicht so häufig Kontakt, was aber nichts über die Freundschaft an sich aussagt - wir freuen uns, wenn wir voneinander hören und uns austauschen können - auch wenn wir manche nur ein paar Mal im Jahr hören bzw. sehen, stimmt die Chemie und wir finden wieder schnell zueinander.

Gemeinsam haben die "Freunde" und die "Freunde", dass sie uns ungemein wichtig sind und dass wir sehr froh sind, dass sie Teil von unserem Leben und wir Teil von ihrem Leben sein dürfen. Wir sind dankbar, dass sie uns so annehmen, wie wir sind, dass sie unseren Lebensweg akzeptieren, mit uns lachen und weinen können, uns zur Seite stehen, wenn es darauf ankommt, uns an ihren Sorgen teilhaben lassen, mit uns ihre Freuden teilen, mit uns Zeit verbringen, auch mal Dampf ablassen, mit uns in den Urlaub fahren, Hobbies mit uns teilen, uns an der Entwicklung ihrer Kinder teilhaben lassen und sich auch für den kleinen Mann interessieren, unseren Briefkasten mit schöner Post füttern, sich mit uns über Erziehungsfragen austauschen, ohne uns ihren Standpunkt aufdrängen zu wollen, uns Bücher aus der Bibliothek der großen Stadt schicken, damit Frau Casoubon nicht alle kaufen muss, dass sie sich selten mit der Antwort "Gut." auf die Frage "Wie geht es euch?" zufrieden geben.

Ich möchte unsere Freundschaften nicht miteinander vergleichen, jede ist einmalig, so unterschiedlich, wie die einzelnen Charaktere sind. Aber was mir bei allen unserer Freundschaften wichtig ist und was ich inzwischen auch ein Stück weit erwarte, ist eine Art Gegenseitigkeit. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich anderen gefallen wollte, in denen ich mich anderen angebiedert habe, um irgendwo dazu zu gehören. Wenn ich merke, dass von der anderen Seite kein Interesse an mir/ an uns (mehr) besteht, dann kann ich das inzwischen ganz gut abhaken und denjenigen in die Rubrik "Bekannter" einordnen. Das war ein langer Prozess, aber ich musste diese Abgrenzung aus Selbstschutzgründen lernen,  ich musste hart gesagt egoistisch werden und mich von den sogenannten Freundschaften befreien, die mir nicht gut taten, die mich belasteten.
Und so kann ich mich jetzt auf unsere wirklichen Freunde konzentrieren :).

Es gäbe für mich noch so vieles zum Thema "Freundschaft" zu sagen, aber ich werde meinen Exkurs an dieser Stelle beenden und mit zu den Short Stories vom Februar schicken.

(* Es gibt auch noch vereinzelte Freundschaften, die nur meine sind, aber die meisten sind inzwischen zu unseren geworden.)

Seid lieb gegrüßt.

Kommentare:

  1. Ich hab das als Kind auch gehabt, dieses "zurückstecken" damit meine Freundinnen auch meine Freundinnen bleiben und noch viel mehr....hach ne, da möchte ich auch nicht mehr dran denken. Aber jede Erfahrung macht uns reicher gell?
    Liebe Grüsse, Nina

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  2. Egoistisch sein, abgrenzen, gut so!
    Ich weiß genau was du meinst, liebe Grüße, Brigitte

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