Sonntag, 30. Oktober 2016

Rezension: Laufwunder


Vor fast genau einem Jahr fand der Herbstlauf bei uns statt - 2015 feierte er mit der 30. Auflage ein großes Jubiläum und zählt definitiv zu den Laufklassikern in unserer Region. 2014 war ich angemeldet, dann kam das Asthma und die Schwangerschaft mit dem kleinen Lieblingskind dazwischen und verhinderte die Teilnahme. Vor einem Jahr nun ungefähr zur Startzeit des Hauptlaufes über 10 km schnürte ich nach langer Zeit meine Laufschuhe und startete zu einer kleinen Laufrunde - am Ende des Laufes war klar, dass ich mich für 2016 beim Herbstlauf anmelden werde. Seitdem laufe ich wieder regelmäßig, mit großer Freude, größtenteils verletzungsfrei und immer mit dem festen Ziel im Blick, dass ich bis zum Herbstlauf 2016 - heute - fit genug für die 10km sein möchte. Inzwischen ist es seit ein paar Monaten fast Routine, dass ich Sonntags über 10km laufe, mal extrem langsam, mit vielen Gehpausen, mal endorphingeschwängert in einem Rutsch. Für mich ist es ein kleines Wunder, dass ich es wirklich schaffe dranzubleiben, mich wenig zwingen muss und anscheinend der Schweinehund meistens noch schläft, wenn ich unterwegs bin. Das funktioniert nur, weil die Rahmenbedingungen stimmen - der Beste übernimmt früh den Kinderdienst und die Kinder schlafen meistens die Nacht durch, sodass wir einigermaßen ausgeruht sind, wenn früh der Wecker klingelt.
Auch bin ich anscheinend in den letzten Jahren doch weiser (hihi) geworden - in meiner "Laufkarriere" vor den Kindern ging es auch um das Laufen, aber da war ich auch in einem Laufforum angemeldet und haben sehrsehrsehr viel Zeit damit verbracht, dort zu schreiben oder Läufe zu planen (die meistens so nie stattgefunden haben) - nun genieße ich es einfach loszulaufen ohne zu wissen, wohin mich meine Füße tragen werden. Früher habe ich nach dem Lauf ungefähr 90 Minuten (Minimum!) damit verbracht, einen Laufbericht zu verfassen, im Forum und im Blog zu posten, in diverse Tabellen einzutragen und dann bereits den nächsten Lauf zu planen. Erst dann ging der Alltag weiter. Inzwischen passiert es nicht selten, dass ich 10 Minuten nach einem Lauf, das kleine Lieblingskind wickel oder das große Lieblingskind beim Zähne putzen beaufsichtige. Unter der Woche bin ich meistens eine Stunde nach dem Lauf auf dem Weg zur Arbeit - das wäre früher undenkbar gewesen. Nach der langen Vorrede versuche ich nun den Bogen zu schlagen und euch das Buch von Mike Kleiß vorzustellen. Da geht es auch um Wunder, um ganz persönliche Laufwunder :).

Abbildung von Gütersloher Verlagshaus

Mike Kleiß war in seinem Ante-Läuferleben ein dickleibiger Workaholic, der bestensfalls zum Zigarettenautomaten lief . An einem bestimmten Punkt seines Lebens packte er die Zigaretten weg und zog die Laufschuhe an. (Über diesen Prozess hat er in seinem ersten Buch "More Power: Lauf dich frei" geschrieben.) Und seitdem läuft er. Jeden Tag. Woche für Woche. Monat für Monat. Streakrunning nennt sich das, wenn man jeden Tag die Laufschuhe schnürt. Beim klassichen Streakrunning gibt es die Regel, dass man mindestens eine Meile (ca. 1,6km) laufen muss, um seinen Streak nicht abreißen zu lassen. Mike Kleiß läuft aber nicht "nur" diese geforderte Meile, sondern mindestens eine Stunde/ mindestens 10 Kilometer am Tag. Egal wo er ist, die Laufsachen hat er immer im Gepäck und erkundet so ihm unbekannte Städte oder taucht ein in die Orte seiner Kindheit, wenn er zusammen mit seinem Vater unterwegs ist. In dem Buch schreibt er über Begegnungen am Wegesrand, über Gespräche mit anderen Läufern und über neu entstandene Freundschaften. Auch schreibt er über Erfahrungen mit Nahrungsumstellungen oder mit welchem verbalen Gegenwind er bei manchen Sachen konfrontiert wurde.
Mike Kleiß schreibt in einem unterhaltsamen Stil, wird an den richtigen Stellen sarkastisch, der Leser merkt sehr deutlich, dass ihm das Laufen am Herzen liegt. Man sollte keine ausgearbeiteten Trainingspläne oder andere Tipps erwarten, er schreibt über seinen Laufweg - dass dieser Weg nicht für alle der richtige ist, dass nicht jeder jeden Tag dieses Laufpensum absolvieren kann, sollte man sich beim Lesen immer wieder vor Augen führen.



Alles Wichtige im Überblick
 Autor: Mike Kleiß (wöchentliche Laufkolumne im Tagesspiegel)
Titel: Laufwunder. Wie sie dein Leben verändern
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Seiten: 224 Seiten
ISBN:978-357908650-7

Mich persönlich hat das Buch sehr angesprochen, weil es viel von dem wiederspiegelt, was ich in den letzten Monaten erlebt habe - nicht nur die positiven Erlebnisse beim Laufen, das Glücksgefühl bei strömenden Regen über schlammige Wege zu laufen, sondern (leider) auch die negativen Erlebnisse. So hat es mich die letzten Wochen/ Monate immer wieder überrascht, dass ich in die Rechtfertigungssituation kam, weil ich a) laufe, b) gerne laufe, c) gerne regelmäßig laufe und d) deswegen auch noch gerne zeitig aufstehe. Das ist nun einmal mein Laufweg, den dränge ich niemanden auf, möchte dafür nicht in den Himmel gelobt werden, mag mich aber auch ungern dafür rechtfertigen.

In eigener Sache
Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung ist davon nicht beeinflusst.

In meinen Buchvorstellungen fehlt die Verlinkung zum Bücherriesen - ich denke, ihr seid selbst in der Lage den Weg dahin zu finden - mir wäre es lieber, wenn ihr bei Interesse das Buch bei eurem Buchhändler vor Ort erwerbt ;).

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