Montag, 16. Dezember 2013

3 Jahre ist es her ... [Part 1]

..., dass ich von der freundlichen Krankenschwester meines Frauenarztes mit den Worten "Ihnen steht das Wasser ja bis ins Gesicht" begrüßt wurde. Die darauffolgende Auswertung meiner Urinwerte und das Messen des Blutdruckes ließen die Schwester immer hektischer werden, und als sie dann sagte "Wir müssen jetzt schnell schauen, ob mit dem Kind alles in Ordnung ist." dämmerte mir langsam, dass dieser Tag unerwartet enden würde. Das CTG zeigte keinerlei Auffälligkeiten, weswegen ich mich recht schnell wiederentspannen konnte und bereits im Kopf durchging, was ich noch alles erledigen sollte und dass ich nun endlich mal die Weihnachtskarten schreiben sollte.

Ich wagte kaum meinen Ohren zu trauen, als ich meinem Frauenarzt nach dem CTG gegenüber saß und dieser mir erklärte, dass meine Werte sehr ersorgniserregend seien und dass er mich bereits in der Klinik angemeldet hatte und dass ich bitte direkt dorthin fahren sollte. Außerdem sagte er noch beim Verabschieden: "Frau Casoubon, wir werden uns schwanger nicht mehr sehen, bitte vereinbaren Sie dann für das neue Jahr einen Termin für die Nachsorgeuntersuchung." In diesem Moment dachte ich als erstes: "Willst du mich verar*****? Ich habe noch nicht einmal Windeln gekauft." und als zweites "Ich habe noch CTG-Termine bis Mitte Januar - die werde ich auch wahrnehmen." und schließlich "Ich soll heute ein Kind bekommen?".

Als ich die Praxis verlassen habe, führte mich mein erster Weg direkt in einen Drogeriemarkt, wo ich zwei Packungen Windeln gekauft habe - obwohl ich das sehr übertrieben fand und nach wie vor den Vorsatz hatte, dem Frauenarzt zu beweisen, dass er sich getäuscht hatte.

Ich fuhr nach Hause und packte ein paar Sachen für die Klinik zusammen. Es wäre natürlich einfacher gewesen, die bereits fertig gepackte Kliniktasche mitzunehmen, aber die brauchte ich ja noch, wenn ich dann wirklich zur Entbindung ins Krankenhaus musste - diese Einweisung in die Klinik sah ich nur als kurze Etappe und ich war mir sicher, dass ich recht schnell wieder Zuhause sein würde. Trotzdem packte ich die Weihnachtskarten sicherheitshalber mit ein, man weiß ja nie, wieviel Zeit ich mit Warten verbringen würde. Bevor ich das Haus verließ, rief ich den Besten auf Arbeit an und teilte ihm mit, dass ich mal kurz in die Klinik müsste, er sich aber keine Sorgen machen solle. Bei ihm brannte es damals auf Arbeit und gerade an diesem Donnerstag hatte er wichtige Besprechungen und stand erheblich unter Strom - mein Anruf brachte da leider keine Besserung, im Gegenteil, er wurde hibbelig, gar geburtsfreudig und es dauerte keine Stunde, da eilte er ins Krankenhaus (wo er von mir mit den Worten "Ich bekomme heute kein Kind!" begrüßt wurde).

Ich für meinen Teil stieg in die Straßenbahn und fuhr damit ins Krankenhaus. Aus diesem Grund kam es mir auch recht absurd vor, als ich nach Ankunft auf der Station nur noch liegen durfte, über eine Stunde am CTG hing und dann ein Zimmer zugewiesen bekam. Im Gespräch mit einer Ärztin wurde mir auch mitgeteilt, was der Grund meiner Einweisung war - ich hatte eine lehrbuchhafte Präeklampsie. Nun galt es meinen viel zu hohen Blutdruck in den Griff zu bekommen - ich sollte zur Ruhe kommen, mich nicht aufregen und entspannen. Gar nicht so einfach, denn in "Spitzenzeiten" kam alle 30 Minuten eine Schwester zum Blutdruck messen, ging zur Auswertung, kam mit einem Medikament zurück und kam nach 30 Minuten zum Messen wieder, ging zur Auswertung, kam mit einem anderen Medikament wieder,kam nach 30 Minuten zum Messen, usw.. Eine Schwester stellte die These auf, dass ich wahrscheinlich eine Weißkittel-Hypertonie habe, die bewirken würde, dass mein Blutdruck hoch geht, sobald eine Schwester oder ein Arzt mein Zimmer betrat... Eine andere setzte sich vertrauensvoll auf mein Bett und fragte mich, ob Zuhause alles in Ordnung sei und ob ich mich auf das Kind freuen würde... Alles wenig hilfreich.

Nach 2 Tagen war klar, dass der Blutdruck nicht runtergehen würde und dass ich auf jeden Fall bis nach Weihnachten in der Klinik bleiben müsste. Nun ließen auch die häufigen "Besuche" der Schwestern nach und ich kam tatsächlich zur Ruhe und konnte endlich am Stück Weihnachtskarten schreiben ;). Außerdem las ich "Krieg und Frieden" von Tolstoi - dieses Buch hatte ich mir extra für den Mutterschutz vorgenommen (es gab übrigens auch Schwestern, die diese Lektüre als zu aufregend befanden).

Ich bekam viel Besuch von lieben Freunden, meiner Familie und auch der Beste verbrachte viel Zeit in der Klinik, und war mir damit eine große Hilfe, da ich nach wie vor strikte Bettruhe hatte und lediglich aufstehen durfte, wenn das Bett neu bezogen wurde, um auf Toilette zu gehen oder mich zu waschen. Zum Frühstück und zum Abendbrot gab es auf der Station ein Buffett, zu dem die frischen Mamas ihre Babies schoben, sich ihr Essen zusammenstellten und dann wieder auf ihre Zimmer gingen. Ich habe diesen Raum in den ersten Tagen nicht zu Gesicht bekommen (dabei liebe ich Buffetts ;)) - am Morgen kam eine Schwesternschülerin, der ich sagte, was ich gerne essen und trinken würde und am Abend war der Beste da, und hat mit mir zusammen gegessen.

Wie es weiterging und wie es kam, dass wir in 4 Tagen den 3. Geburtstag von unserem kleinen Mann feiern dürfen, verrate ich euch in den kommenden Tagen :).

(Nun muss ich erstmal emotional wieder runterfahren, die Erinnerung an diese Zeit wühlt mich immer wieder auf. Aber ich bin froh, dass ich das Ganze jetzt das 1. Mal niedergeschrieben habe, um es vor dem Vergessen zu bewahren.)

1 Kommentar:

  1. Jeder hat so seine Geschichte dazu wie die Kinder geboren wurden, oder? Ich finde es sehr interessant.
    LG
    Kerstin

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