Dienstag, 8. Oktober 2013

Rezension: Vier minus drei


Wie viele von Euch wissen, engagiere ich mich seit ein paar Jahren in der ambulanten Hospizarbeit, erst in der alten Heimat, seit Frühjahr diesen Jahres absolviere ich erneut die Ehrenamtsschulung, die diesen Freitag mit der feierlichen Zertifikatsübergabe als abgeschlossen gilt. Ich habe die Entscheidung, die Schulung noch einmal zu besuchen, keine Minute bereut - zum einen war sie thematisch umfangreicher und zum anderen war mir der Austausch innerhalb der Gruppe sehr wichtig.

Die Leiterin des Dienstes trat vor ein paar Wochen mit dem Wunsch an mich heran, Rezensionen von thematisch passender Literatur für die Homepage des Vereines zu erstellen, da diese nach einer Neugestaltung auch Literaturempfehlungen enthalten sollte.

Sehr gerne kam ich dieser Bitte nach und so habe ich in den letzten Wochen recht viele Bücher gelesen, die sich mit den Themen Tod, Sterben und Trauer auseinandersetzen. Eine Vielzahl der Bücher hatte ich schon vor etlichen Jahren gelesen, aber da es mir nicht möglich ist, aus der Erinnerung eine Rezension zu schreiben, habe ich die meisten wenigstens nochmal quer gelesen, manche aber auch komplett noch einmal.

Von Zeit zu Zeit möchte ich euch nun an dieser Stelle immer mal ein Buch ans Herz legen, welches mich besonders berührt hat bzw. welches sich auf sehr eindrucksvolle Weise mit der Thematik auseinandersetzt.

Den Anfang zu dieser "Reihe" macht ein Buch, welches mich besonders bewegt hat - "vier minus drei" von Barbara Pachl-Eberhart, welches 2010 im Integral-Verlag erschienen ist.


Abbildung von Integral

Das Leben von Barbara Pachl-Eberhardt wird im März 2008 komplett auf den Kopf gestellt, als ihr Mann "Heli" und die beiden Kinder „Thimo“ und „Fini“ nach einem Autounfall ums Leben kommen.

Obwohl  der Grund für die Entstehung des Buches ein unendlich trauriger ist, ist dieses Buch eine Hommage an das Leben, es ist gefüllt mit  Liebe und warmen Humor. Barbara Pachl-Eberhart schildert sehr eindrücklich, welche Gefühle sie nach dem Unfall durchlebt hat, wie sie von ihren Lieben Abschied nehmen konnte, mit welchem Verhalten sie in ihrem Umfeld auf Unverständnis stieß und warum sie es „Glück“ empfindet, dass sie an dem Tag des Unfalls ohne Streit mit ihrer Familie auseinander gegangen ist.

Ein Buch, welches unter die Haut geht, das Mut macht, dem inneren Gefühlen und Bedürfnissen zu vertrauen und auch entgegen der bestehenden Konventionen seinen eigenen Weg zu gehen.

Dieses Buch hat mich zutiefst berührt und wirkt immer noch nach. Ich nehme es immer wieder in die Hand, schaue mir die Bilder an, lesen die Gedichte/ Briefe/ Gedanken und bin jedes Mal aufs Neue überwältigt, wieviel Lebensfreude aus jeder einzelnen Zeile strahlt.

Aus diesem Buch habe ich mir eine Passage herausgeschrieben und im Büro aufgehängt als Anspruch für meine Arbeit:

[…] Bis heute weiß ich nicht, was einen Menschen dazu bringt, Bestatter zu werden. Ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor den Angehörigen dieser Zunft.
Ob meine Wünsche extravagant waren oder in einem üblichen Rahmen, das habe ich nie erfahren. Alles war möglich, ohne Stirnrunzeln, ohne Kopfschütteln, ohne Einwand. Ich wurde einfach akzeptiert – in der Art, wie ich zu trauern wünschte. Was mir guttat, war gestattet und wurde gern gesehen. Eine Haltung, von der wir alle lernen können.
Gestattungsinstitut, das klingt schön.

(aus: Pachl-Eberhart, Barbara: Vier minus Drei. S. 83)

Details (gebundene Ausgabe)
Titel: Vier minus drei
Verlag: Integral
Seiten:  336
ISBN: 978-3778792179

Wasmussdasmuss
 Das Buch wurde mir weder kostenlos zur Verfügung gestellt, noch bekomme ich von dem Verlag etwas für die Vorstellung des Buches - meine Begeisterung ist ganz und gar echt.

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